< weniger ist mehr >
(m
eno è più)
(L. Mies v. d. Rohe)

 

WIE DER GENIUS LOCI OLFENS DEN ENTWURF DER SPARKASSE INSPIRIERT HAT

Das Projekt der Olfener Filiale der Sparkasse Coesfeld

Der erste Entwurfsansatz stellte den städtischen öffentlichen Raum des Kontexts in den Mittelpunkt des Vorgehens, um als echtes autonomes Stadtplanungsprojekt wahrgenommen und behandelt zu werden, das darauf abzielt, die mit dem Verkehr verbundenen Probleme in räumliche und funktionale Lösungen sowohl von Interessen als auch von Nutzen der Allgemeinheit. Alles geschah auf der Basis eines rationalen Zusammenfließen von der Positionen und Vorgaben der Gemeinde und der lokalen Politik, dank der hohen Sensibilität des Auftragsgebers, Graf Clemens Droste zu Viscering und seines Generaldirektors, Dr. Karl von Oy, um in Einklang die Bedürfnissen der Gemeinde Olfen, des Bauherrn, der Imagesuche der Sparkasse Coesfeld und nicht zuletzt die Ansprüche des Architekturteams Billerbek zu bringen.

In diesem Sinne haben wir uns von der politischen Aufgabe inspirieren lassen, die sich mit den Prinzipien des Städtebaus stellt, zu denen sicherlich die Rekonstruktion des Wertes des
städtischen Raums gehört, mit der festen Absicht, die konsolidierte Krise, die sich im Laufe der Zeit verfestigt hat, bestehend aus der Reduktion des öffentlichen Raums auf einen bloßen Ort für Handel und Markt . Was ist öffentlicher Raum, wenn nicht der Ort in dem sich die öffentliche Erfahrung mit den Interessen der Bürger in Einklang zu bringen ist?

Die Grundelemente des öffentlichen (Stadt-)Raums waren in der Vergangenheit der Platz und die Straße. Am Anfang war es die zweite,
die Straße, die im Laufe der Zeit als erste sich bestätigt hat, während in der Antike die Agora der griechischen Polis als Ort der Diskussion wahrgenommen, metabolisiert und geschaffen wurde, an dem Entscheidungen getroffen wurden, Urteile über die vielfältige und komplexe Verwaltung der Stadt gefällt wurden als Sublimation der höchsten Formen des politischen Denkens aller Zeiten, wie sie uns vom Campo di Siena bis zum Platz von Palmanova und von den vielen Piazzas, klein oder groß, mediterran oder nordisch, die Einzigartigkeit der Stadt (in erster Linie der europäischen Stadt) definiert hat.

Der „gemeinsame Ort“, und so sollte der Stadtraum von Olfen verstanden werden, ist der zeitliche Moment der dialektischen Verbindung zwischen architektonischem Projekt und städtischer Form, gebaut und
noch zu bebauen, voll und leer, oft im Gegensatz, manchmal aber harmonisch der Klang der städtischen Geschichte zum Vibrieren gebracht hat. Und so wird der öffentliche Raum als Eingangspunkt der Stadtentwicklung, der letztendlich die Fähigkeit einer Gemeinschaft modelliert, ein „Modell der Gesellschaft“ definiert, in einer neuen Strategie, die aus URBAnistik und ArchiTEKTUR in den Begriff von URBATEKTUR schmilzt, um den existenziellen Roman zu schreiben.

Die beiden Disziplinen,
Urbanistik und Architektur, tragen zusammen mit denjenigen, die als Folge des wissenschaftlichen Charakters des Stadtprojekts fungieren, zum Dialog bei, um die Konzeption einer städtischen Harmonie für unsere Zeit hinarbeiten,damit jede einzelne Architektur, auch die kleinste, in den dialektischen Zustand des sie enthaltenden Außenraums münden kann, ohne eine Unterbrechung der Kontinuität, mit der sich die Ästhetik jedes Artefakts in Zukunft auseinandersetzen muss, den Kontext nicht (zer)stören kann.

Dies war die Vorgehensweise und räumliche Lesart von ATB, ArchitekturTeamBillerbeck, auf der Suche nach Elementen der Verwurzelung im lokalen Genius Loci, der durch die ständige Präsenz von Ziegeln in der Textur der Gebäudefassaden bis hin zur kompositorischen Geste der Kanalbrücke der alten Fahrt (Selmer Straße), wo in der Vergangenheit italienische Arbeiter anwesend waren. Und so inspirierte der symbolische Wert des Kanalbrückenbogens die Definition der französischen Fenster im Erdgeschoss im endgültigen Architekturprojekt.

(ATB, Dipl. Architekt Nicolo Piro, 11.11.1994)